Metz – Temple Neuf

Religiöser und architektonischer Wandel: Der Temple Neuf in Metz im historischen Kontext

Temple Neuf in Metz

Einführung

Der Temple Neuf, auch bekannt als die Evangelische Stadtkirche Metz, ist eine evangelisch-reformierte Kirche in der Stadt Metz. Die Kirche gehört zur Evangelisch-reformierten Kirche von Elsass und Lothringen (Église protestante réformée d’Alsace et de Lorraine). Sie befindet sich an der Südwest-Spitze der „Île du Petit-Saulcy“ (Kleine Weideninsel), die von der Mosel umflossen wird.

Wachstum der evangelischen Gemeinde nach der Annexion

Nach der Annexion der Stadt Metz im Deutsch-Französischen Krieg zogen viele protestantische Reichsdeutsche nach Metz, wodurch die Zahl der evangelischen Stadtbürger stark anstieg. Im Jahr 1886 umfasste die Gemeinde etwa 8000 Personen, und der Metzer Kirchenrat begann Verhandlungen mit dem Stadtrat über den Neubau einer protestantischen Kirche. Bis dahin hatte die Gemeinde den evangelischen Gottesdienst im ehemaligen Gotteshaus der Trinitarier gefeiert, das im Jahr 1720 errichtet und 1803 der reformierten Gemeinde übergeben worden war. Dieses Gebäude bot jedoch nur 350 Sitzplätze, was für die wachsende Gemeinde nicht mehr ausreichte. Pläne, das Gebäude zu erweitern oder die Metzer Clemenskirche umzuwidmen, wurden letztendlich aufgegeben.

 

Blick auf Temple Neuf in Metz

Erste Entwürfe und Planungen

Im Jahr 1891 legte der Metzer Stadtbaudirektor Konrad Wahn einen ersten Entwurf für einen Neubau vor. Der überwiegend katholische Metzer Stadtrat hatte vorgeschlagen, einen Kuppelbau ohne Turm zu errichten, damit die neue Kirche die Metzer Domtürme nicht überragen würde, da die Trinitarierkirche auf der höchsten und traditionsreichsten Erhebung der Innenstadt liegt. Der von Wahn gezeichnete Entwurf im neofrühgotischen Stil wies einige Parallelen zur Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche auf, die zwischen 1885 und 1888 nach Plänen des Baumeisters Johannes Otzen errichtet worden war. Otzen hatte bereits 1892 ein Gutachten für das Metzer Kirchbauprojekt erstellt und Wahns Plan zur Ausführung empfohlen.

 

Konflikte und Verzögerungen

Trotz dieser Pläne kam es zu verschiedenen Konflikten um das zukünftige Grundstück, die Finanzplanung sowie zu konfessionellen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem überwiegend katholischen Metzer Stadtrat und dem protestantischen Konsistorium, was den Baubeginn erheblich verzögerte. Darüber hinaus betrachteten die katholischen Abgeordneten des Landesausschusses in Straßburg den geplanten Neubau als Luxusprojekt, da die evangelischen Metzer Bürger auch die großdimensionierte Metzer Garnisonskirche mit ihren 2400 Sitzplätzen hätten nutzen können. So wurden staatliche Finanzzuschüsse zunächst nicht bewilligt. Zudem gab es Spannungen zwischen den ursprünglichen reformierten Metzer Protestanten und den neuzugezogenen lutherischen Protestanten.

 

Konkrete Formen des Bauprojekts Temple Neuf

Konkrete Formen nahm das protestantische Bauprojekt erst mit dem Befehl Kaiser Wilhelms II. zur Schleifung der alten Metzer Festungsmauern an. Angedacht war ein Kirchenneubau auf dem Gelände der zukünftigen Neustadt im Bereich des Prinz-Friedrich-Karl-Tors (heute Porte Serpenoise) oder am Theobaldsplatz (heute Place Saint Thiébault). Dies lehnte die protestantische Kirchengemeinde jedoch entschieden ab, da sie weiterhin an einer zentral gelegenen Kirche interessiert war und sich nicht an die Peripherie der Altstadt verdrängen lassen wollte. Darüber hinaus befand sich der Bau der Metzer Neustadt erst in der Planungsphase, und man wollte den protestantischen Kirchneubau nicht noch weiter verzögern.

 

So kam ein Bauplatz im sogenannten „Jardin d’amour“ auf der kleinen Moselinsel ins Spiel. Diesen Bauplatz empfahl auch der renommierte Städteplaner Josef Stübben, der mit den Plänen zur Metzer Stadterweiterung beauftragt worden war. Gegen die Fällung der alten Bäume auf der Spitze der kleinen Moselinsel zugunsten des Kirchenneubaus organisierten sich etwa fünfhundert Bürger und richteten eine entsprechende Petition an Kaiser Wilhelm II. Die Landesregierung des Reichslandes Elsaß-Lothringen leitete die eingereichte Petition erst gar nicht weiter und sandte sie direkt wieder nach Metz zurück. Nachdem auch Kaiser Wilhelm II. den Bauplatz als geeignet erachtet hatte, stimmte der Gemeinderat der Stadt Metz am 10. Februar 1899 schließlich dem Neubau der Kirche an der Südwest-Spitze der kleinen Moselinsel zu.

 

Historischer Hintergrund und Planung des Kirchenneubaus

Der Staatszuschuss und erste Planungen (1897)

Im Jahr 1897 bewilligte die Regierung des Reichslandes Elsaß-Lothringen einen Staatszuschuss in Höhe von 100.000 Mark, während der evangelische Metzer Kirchenneubau noch in der Planungsphase steckte. Dieser finanzielle Beitrag markierte den Beginn eines bedeutenden Bauprojekts, das im Zusammenhang mit der umfassenden Umgestaltung der Stadt Metz stand.

Einbindung des Kaisers und seine Interessen

Im Zuge der städtebaulichen Veränderungen zeigte auch Kaiser Wilhelm II. Interesse an dem Kirchenbauprojekt, obwohl Sakralbauten üblicherweise in der kommunalen Zuständigkeit der jeweiligen Gemeinde lagen. Dies unterstrich die Bedeutung des Projekts über die lokale Ebene hinaus und verlieh ihm eine zusätzliche politische Dimension.

 

Begutachtung und Entscheidung durch hohe Beamte

Alle Entwurfszeichnungen wurden in der Folgezeit durch den Bezirkspräsidenten Hans von Hammerstein-Loxten persönlich begutachtet und unterzeichnet. Diese sorgfältige Überprüfung durch hochrangige Beamte spiegelte die Bedeutung und den Prestigecharakter des Bauvorhabens wider.

 

Kaisers Entscheidung für den neoromanischen Stil

Kaiser Wilhelm II. lehnte schließlich das von Otzen befürwortete Projekt Conrad Wahns, das sich am Vorbild der Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche orientierte, ab. Stattdessen ordnete er einen Kirchenbau im neoromanischen Stil an. Diese Entscheidung prägte das architektonische Erscheinungsbild des späteren Bauwerks und reflektierte die Vorlieben und ästhetischen Vorstellungen des Kaisers.

 

Anpassung und Weiterentwicklung der Entwürfe

Conrad Wahns Entwurf und kaiserliche Weisungen

Nach der Ablehnung seines ersten Entwurfs durch Kaiser Wilhelm II. fertigte Conrad Wahn einen neuen Plan für die evangelische Stadtkirche an. Doch auch dieser musste auf Geheiß des Kaisers überarbeitet werden. Unter anderem wurde die ursprüngliche Vierungskuppel durch einen dominanteren Vierungsturm ersetzt. Interessanterweise fand Wahns ursprünglicher Entwurf der Vierungskuppel später durch den Architekten Peter Marx beim Bau des Saardomes in Dillingen/Saar Verwendung, wobei beide Kuppeln deutliche Parallelen aufweisen.

 

Zusätzliche Änderungen und Ergänzungen

Auf Weisung des Kaisers musste Wahn dem Metzer Kirchbauprojekt Chorflankentürme hinzufügen. In dem am 26. Mai 1899 an Wilhelm II. übersandten neuen Entwurf änderte der Kaiser persönlich mit Rotstiftstrichen die Pyramidenhelme der Fassadentürme in rheinische Rhombenhelme um. Diese Änderungen sollten sicherstellen, dass die Kirche eine malerische Silhouette im Formenkanon der rheinischen Romanik erhält, was dem Kaiser besonders wichtig war.

 

Empfehlungen und finale Bestimmung

Im Entwurfsbegleitschreiben vom 26. Mai 1899 empfahl der lothringische Bezirkspräsident Hans von Hammerstein-Loxten den Entwurf Wahns besonders, da eine solche Kirche, deren Vorbilder im Rheinland zu finden seien, gerade in Metz gut wirken würde. Der Entwurf wurde an das kaiserliche Zivilkabinett in Berlin übersandt, wobei Hammerstein vorschlug, den massiven Vierungsturm etwas zu verschlanken.

 

Kaisers abschließende Entscheidung

Wilhelm II. kommentierte den Plan nach Abänderung der Turmhelme mit der Marginalie „sehr gut“ und bestimmte ihn zur Ausführung, ohne auf Hammersteins Vorschlag zur Verschlankung des Vierungsturmes einzugehen. Conrad Wahn arbeitete die Änderungswünsche des Kaisers in seine Pläne ein und legte diese am 28. Februar 1900 zur Ausführung vor.

 

Grundsteinlegung und Einweihung der evangelischen Stadtkirche

Grundsteinlegung (25. November 1901)

Nach intensiver Planungs- und Änderungsphase konnte schließlich am 25. November 1901 die feierliche Grundsteinlegung der neuen evangelischen Stadtkirche in Metz begangen werden. Dieses Ereignis markierte den offiziellen Beginn der Bauarbeiten und stellte einen wichtigen Meilenstein in der Entstehung des Bauwerks dar.

 

Einweihungsfeier (14. Mai 1904)

Am 14. Mai 1904 wurde die neue evangelische Stadtkirche in Metz mit großem Prunk und in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. und seiner Gattin Auguste Viktoria feierlich eingeweiht. Auguste Viktoria, die als Schirmherrin des Evangelischen Kirchenbauvereins das Interesse ihres Mannes an der Errichtung neuer protestantischer Sakralbauten teilte, trug ebenfalls zur feierlichen Atmosphäre bei.

 

Feierliche Worte von Otto Michaelis

Der evangelische Theologe Otto Michaelis, der ab 1903 als Hilfsprediger und ab 1906 als Pfarrer in Metz tätig war, bejubelte die Einweihung in markigen Tönen und hob die Bedeutung des Ereignisses für den Protestantismus, das Deutschtum und die Hohenzollerndynastie hervor. In seiner Ansprache betonte er die historische Bedeutung des Tages und die Anwesenheit des deutschen Kaiserpaares:

 

„Was aber dem Feste der Einweihung am 14. Mai 1904 besonderen Glanz verlieh, war die Anwesenheit des deutschen Kaiserpaares. Wunderbarer Wandel der Geschichte! Ein 14. Mai war es, an dem derjenige französische König (gemeint ist der französische König Heinrich IV.), unter dessen mildem Szepter die alte Metzer Hugenottenkirche ihre herrlichste Blüte erlebte (Bezugnahme auf das Edikt von Nantes), einem Meuchelmörder zum Opfer fiel (gemeint ist das Attentat von François Ravaillac am 14. Mai 1610 auf den König aus Glaubensgründen). Und an einem 14. Mai hielt Wilhelm II. seinen Einzug in die alte, wieder deutsche Moselfeste, um diesen Freudentag mit der Metzer Gemeinde zu begehen. Wohin ist das Geschlecht jenes französischen Königs, dessen Enkel (gemeint ist der französische König Ludwig XIV.) in unseliger Verblendung wie ein Nero gegen die Christengemeinden, gegen die protestantischen Söhne seines Volkes gewütet hatte? Ruhmlos sank es ins Grab. Aber höher und höher stieg der Hohenzollernaar. Von Geschlecht zu Geschlecht vererbte sich der Segen, den der hochgemute Sinn jenes edlen Zollernfürsten (gemeint ist der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm) seinem Volk gebracht. Welch ein Augenblick, als sein Nachkomme vor den Türen der Metzer Kirche stand, erhobener Stimme das Bekenntnis seiner Väter erneuernd: ‚Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben!‘ (1,16 EU). Das Innere des Gotteshauses aber durchbrauste alsbald der alte Schlacht- und Triumphgesang des Protestantismus: Eine feste Burg ist unser Gott.“

 

Symbolik und historische Bedeutung

Die Einweihung der Kirche war nicht nur ein religiöses, sondern auch ein politisches Ereignis. Sie symbolisierte die Wiederherstellung deutscher Präsenz und Identität in Metz nach Jahren französischer Herrschaft. Die Bezugnahme auf historische Ereignisse und Persönlichkeiten in Michaelis‘ Rede unterstrich die historische Kontinuität und die Bedeutung des Protestantismus und der Hohenzollerndynastie für die deutsche Geschichte.

 

Einfluss des Kaiserhauses auf den Kirchenbau in Metz und Umgebung

Einflussnahme beim Bau der Kirche in Plantières-Queuleu

Zu einer ähnlichen Einflussnahme des Kaiserhauses hinsichtlich des Baustils und der Ausgestaltung der Kirchenarchitektur kam es auch beim Bau der evangelischen Kirche in der Nachbarpfarrgemeinde im Metzer Vorort Plantières-Queuleu. Bereits im Spendenaufruf des dortigen Baukomitees wurde die enge Verbindung zwischen protestantischer Konfession und deutschnationalen Zielen betont. Es wurde argumentiert, dass der Bau einer neuen evangelischen Kirche „mitten in einer durchaus französisch sprechenden katholischen Bevölkerung“ notwendig sei, um „mit dem religiösen Interesse die Liebe zu Kaiser und Reich zu fördern und zu beleben.“

 

Symbolische Bedeutung und Finanzierung

Mit der neuen evangelischen Kirche sollte altes französisches Unrecht wiedergutgemacht werden. Auf dem historischen Boden Lothringens, der die Dragonaden Ludwigs XIV. und die Vertilgung der zahlreichen Hugenottengemeinden erlebt hatte, sollte eine neue evangelische Kirche als Markstein der Glaubensfreiheit und des Deutschtums errichtet werden. Der Spendenaufruf wurde auch an Kaiser Wilhelm II. gesandt, der daraufhin ein Gnadengeschenk von 5000 Mark für das Projekt stiftete.

 

Bauliche und stilistische Parallelen zur Metzer Stadtkirche

In Plantières-Queuleu griff der Kaiser ebenso massiv in die Baupläne ein wie bei der evangelischen Stadtkirche in Metz. Auch hier wurde der neoromanische Stil verwendet und statt des ortsüblichen Jaumontsandsteins wurde Vogesensandstein eingesetzt. Die evangelische Kirche von Plantières-Queuleu wurde nur wenige Monate nach der Weihe der evangelischen Stadtkirche Metz, am 11. Dezember 1904, eingeweiht.

 

Konflikte beim Bau der Josefskirche in Montigny

Beim Bau der neoromanischen Josefskirche im angrenzenden Montigny kam es bereits vor Baubeginn zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den einheimischen französischstämmigen Gemeindemitgliedern und den neuzugewanderten Reichsdeutschen. Diese Konflikte führten dazu, dass die alteingesessenen Gemeinderatsmitglieder der Abstimmung über das Kirchbauprojekt fernblieben. Die Josefskirche, die vom Architekten Ludwig Becker im ortsüblichen Jaumontsandstein errichtet wurde, wurde am 31. Juli 1906 eingeweiht.

 

Unterschiedliche Förderung und Einflussnahme

Im Gegensatz zu den evangelischen Projekten wurde das katholische Kirchenprojekt vom Kaiserhaus finanziell nicht gefördert, und eine offizielle Einflussnahme blieb aus. Dies verdeutlicht die unterschiedliche Unterstützung und Priorisierung der religiösen Bauten durch das Kaiserhaus.

 

Architektur der evangelischen Stadtkirche in Metz

Bauzier und Äußeres

Ganz im Sinne der protestantischen Theologie hält sich der Bauschmuck der evangelischen Stadtkirche in Metz im Vergleich zu katholischen Kirchen in Grenzen. Jedoch ist das dreiteilige Hauptportal der Kirche reicher verziert und bildet einen besonderen Blickfang.

 

Die roséfarbenen Pfeiler heben sich von dem sonst verwendeten grauen Sandstein ab und verleihen dem Portal eine markante Farbgebung. Die Archivolten sind reich geschmückt mit verschlungenen Bändern, üppigen Blüten, ineinander verwachsenen Akanthusranken sowie kompliziertem Flechtwerk.

 

Am Fuß des äußeren mittleren Bogenverlaufs sind die Köpfe der Allegorien der Evangelisten Markus (Löwe, links) und Lukas (Stier, rechts) in das gemeißelte Gerank integriert. Im inneren Bogen sind die Köpfe von Matthäus (Engel oder Mensch, links) und Johannes (Adler, rechts) zu sehen. Ein besonderes Detail sind die nach oben gezwirbelten Schnurrhaare des Markuslöwen, die möglicherweise einen versteckten Hinweis auf Kaiser Wilhelm II. als Förderer des Kirchenbaus darstellen. Auch am Hauptportal des Metzer Domes war der Kaiser in Gestalt des Propheten Daniel mit mächtigem Schnurrbart dargestellt worden.

 

Symbolik und theologischer Bezug

Das akanthus- und rebenumrankte Tympanon des Hauptportals zeigt im Zentrum, eingefasst in einen stilisierten Perlenkranz, das triumphierende apokalyptische Lamm Gottes mit einem Kreuz in seinen Läufen. Diese Darstellung bezieht sich auf das Jesuswort im Johannesevangelium (Joh 15,5 EU): „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt reiche Frucht.“

 

Die Positionierung des Lammes im Bogenfeld kann zudem mit einer weiteren Stelle im Johannesevangelium in Verbindung gebracht werden: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden“ (Joh 10,9 EU). Das Kreuz in den Läufen des Lammes ist im Zusammenhang mit der lutherischen Gnadentheologie zu deuten. Nach dieser Lehre wird die heilvolle Wirkung allein durch Christus (solus Christus) und dessen Opfertod am Kreuz gestiftet, entfaltet und gnadenhaft geschenkt (sola gratia). Das Heil wird von den Gläubigen allein durch den Glauben an Christus (sola fide) empfangen, nicht jedoch durch menschliche Werke (Röm 3,28 EU, 4,25 EU). Der Glaube wiederum wird allein durch das Wort der Christusverkündigung bewirkt, welches in der Bibel (sola scriptura) grundlegend und hinreichend enthalten ist und in der Predigt aktualisiert wird.

 

Weitere architektonische Details

Zusätzlich zu den Verzierungen am Hauptportal zeigt sich der Einfluss des Kaiserhauses und der Neoromanik in verschiedenen architektonischen Elementen der Kirche. Der Verzicht auf überbordenden Bauschmuck zugunsten einer klaren, symbolisch aufgeladenen Architektur spiegelt die protestantischen Werte wider und unterstreicht die Bedeutung der theologischen Botschaften, die durch die Bauzier vermittelt werden.

 

Inneres der Kirche

Das Zentrum des Innenraumes bildet der Altar in der Apsis. Auf der Vorderseite des mit Flecht- und Rankenwerk geschmückten Stipes ist das Christusmonogramm mit Strahlen- und Wolkenkranz im Zentrum zu sehen, umgeben von zwei Medaillons mit einem Kelchrelief (rechts) sowie einer Schale mit Brot (links). Diese Symbole verweisen auf das letzte Abendmahl Jesu und seinen Opfertod am Kreuz. Das Christusmonogramm selbst erinnert an die Vision Konstantins des Großen, in der ihm gesagt wurde: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Dies geschah entweder vor der entscheidenden Schlacht bei der Milvischen Brücke gegen Maxentius im Jahr 312 oder vor der Schlacht gegen Licinius bei Chrysopolis. Ein versteckter Hinweis auf den deutschen Kaiser, der sich sowohl als „Summus Episcopus“ verstand als auch sich in einer gewissen religionspolitischen Ahnenreihe zu Konstantin sah, könnte hier mitgedacht werden.

 

Von Fab5669 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11545794
Von Sol Octobris - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=68964410

Der auf einem Säulenbündel ruhende, polygonale Kanzelkorb, der wie der Altar in weißem Marmor gefertigt wurde, zeigt die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten des Alten Bundes mit dem Davidstern, flankiert von den in Nischen sitzenden Darstellungen der vier Evangelisten. Zu ihren Füßen befinden sich jeweils deren Symbolgestalten. Die jüdischen Gesetzestafeln werden mittig verdeckt durch eine schlanke Säule, über deren Kapitell ein Engel das Lesepult der Kanzel trägt. Dies kann, ganz im Sinne der lutherischen Theologie, als Hinweis auf die Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Judentum gedeutet werden. Das mosaische Gesetz, an dem die sündigen Menschen gescheitert seien, sei durch die heilbringende Gnade Jesu Christi ersetzt worden: „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ (Joh 1,17 EU) und „Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.“ (Röm 6,14 EU).

Emporen und Fensterverglasungen

Von Sol Octobris - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=68964404

Die Emporenbrüstungen zeigen vier Köpfe, deren Vorbilder aus Kirchen der Île-de-France stammen könnten. Von den originalen Fensterverglasungen haben sich infolge der Kriegszerstörungen nur noch zwei Fenster zwischen Eingang und Hauptschiff erhalten. Die aktuellen Verglasungen wurden neu gefertigt (Apsisfenster) oder stammen aus der Kapelle des Metzer St. Nikolaus-Hospitals (Hauptschiff).

 

Von Fredamas - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123164260

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Quellenangaben

    • Pierre Bronn: Le protestantisme en Pays messin, Metz 2007.
    • Pierre Bronn: Le temple neuf au cœur du protestantisme messin, 2014.
    • Rodolphe Friedrich: Metz, la Huguenote, Metz 1993. (französisch-deutscher Text)
    • Philippe Hoch: Huguenots, De la Moselle à Berlin, Les chemins de l’exil, Metz 2006.
    • Otto Michaelis: Aus der Geschichte der Metzer evangelischen Gemeinde, Metz 1906.
    • Otto Michaelis: Grenzlandkirche, Eine evangelische Kirchengeschichte Elsaß-Lothringens 1870–1918, Essen 1934.
    • Christiane Pignon-Feller: Metz 1848–1918, Les métamorphoses d’une ville, Paris 2013.
    • François Roth: La Lorraine annexée, Metz 2007.
    • Maurice Thirion: Etudes sur l’histoire du protestantisme à Metz et dans le Pays messin, Nancy 1884.
    • Henri Tribout de Morambert: La réforme à Metz, Nancy 1969-1971.
    • Jeanne Vincler: Calvinistes proscrits à Metz colons à Berlin, 2011.

      Einzelnachweise

      [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
      1.  Pierre Bronn: Le temple neuf au cœur du protestantisme messin, 2014, S. 28–34.
      2.  Metzer Zeitung vom 14. Mai 1904, Artikel „Zur Einweihung der neuen evangelischen Kirche in Metz“.
      3.  Straßburger Post vom 18. Mai 1904, Artikel „Aus der Baugeschichte der neuen evangelischen Kirche in Metz“.
      4.  Niels Wilcken: Vom Drachen Graully zum Centre Pompidou-Metz, Metz, ein Kulturführer, Merzig 2011, S. 99ff.
      5.  Centralblatt der Bauverwaltung, 5. Jg. 1885, Nr. 18, 2. Mai 1885 (Baubeschreibung, Grundriss und Schnitt), S. 178 und 179.
      6.  Gutachten betreffend den Bauplan zu einer protestantischen Kirche vom Stadtbaumeister Wahn, Abschrift vom 24. September 1892, in: Archives municipales de Metz, 2-M-63.
      7.  Verhandlungen des Landesausschusses für Elsaß-Lothringen, Sitzung vom 23. Februar 1897.
      8.  Pfarrer Sell: Bericht über die Angelegenheiten des Neubaues der Evangelischen Stadtkirche zu Metz, 1893, Archives départementales de la Moselle (Metz).
      9.  François-Yves Le Moigne und Gérard Michaux: Protestants messins et mosellans, Metz 1988, S. 246.
      10.  Brief des Metzer Bürgermeisters an den Bezirkspräsidenten vom 14. Dezember 1898, Archives départementales de la Moselle (Metz), 7-AL-218.
      11.  Gemeinderatssitzung der Stadt Metz vom 10. Februar 1899.
      12.  Petition vom 26. März 1899, Archives départementales de la Moselle (Metz), 7-AL-218.
      13.  Protokoll der Gemeinderatssitzung der Stadt Metz vom 3. Februar 1898.
      14.  Straßburger Post vom 18. Mai 1904, Artikel „Aus der Baugeschichte der neuen evangelischen Kirche in Metz“.
      15.  Auszug aus dem Berathungsregister (sic!) des Gemeinderates der Stadt Metz, Sitzung vom 5. Juli 1899, Archives départementales de la Moselle (Metz), 7-AL-218.
      16.  Bezirkspräsident Freiherr von Hammerstein an das kaiserliche Civilkabinett, Brief vom 27. Mai 1899, Archives départementales de la Moselle, 7-AL-218 sowie Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, PK, I. HA Rep. 89, Geheimes Zivilkabinett, Nr. 22077.
      17.  Das Civilkabinett des Kaisers an den Bezirkspräsidenten von Lothringen, Brief vom 8. Juni 1899, Archives départementales de la Moselle, 7-AL-218 sowie Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, PK, I. HA Rep. 89, Geheimes Zivilkabinett, Nr. 22077.
      18.  Pierre Bronn: Le temple neuf au cœur du protestantisme messin, 2014, S. 36.
      19.  Otto Michaelis: Aus der Geschichte der Metzer evangelischen Gemeinde, Metz 1906, S. 74–75.
      20.  Aufruf zu Beiträgen für den Bau einer evangelischen Kirche zu Plantières-Queuleu in Lothringen, April 1897, Archives départementales de la Moselle, Metz, 7-AL-221.
      21.  Einweihung der evangelischen Stadtkirche Plantières-Queuleu, Archives départementales de la Moselle, Metz, 7-AL-221.
      22.  Artikel „Die Einweihung der neuen katholischen Pfarrkirche zu Montigny“, in: Metzer Zeitung vom 31. Juli 1906.
      23.  Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum. Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871–1918) (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 38). Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2000, S. 273–275.
      24.  Konrad Wahn: Erläuterungsbericht zum Entwurf vom 28. Februar 1900, in: Archives municipales de Metz, 2-M-62-68, 1898–1904.
      25.  Protokoll der Metzer Stadtratssitzung vom 9. Dezember 1898.
      26.  Brief des Metzer Bürgermeister Halm an das Königliche Kriegsministerium in Berlin vom 24. Juli 1890, in: Acta betreffend die Stadterweiterung von Metz, Archives départementales du Bas-Rhin (Strasbourg), 87-AL-3436.
      27.  Niels Wilcken: Architektur im Grenzraum. Das öffentliche Bauwesen in Elsaß-Lothringen (1871–1918) (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 38). Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2000, S. 266–272.
      28.  Brief des Metzer Bürgermeister Halm an das Königliche Kriegsministerium in Berlin vom 24. Juli 1890, in: Acta betreffend die Stadterweiterung von Metz, Archives départementales du Bas-Rhin (Strasbourg), 87-AL-3436.
      29.  Konrad Wahn: Erläuterungsentwurf vom 12. Oktober 1889, in: Archives municipales de Metz, 2-M-62.
      30.  «un horrible temple protestant, d’un style archaïque emprunté aux bords du Rhin, un vilain monument balourd et disgracieux», Georges Ducrocq: La blessure mal fermée, Notes d’un voyage en Alsace-Lorraine, Paris 1913, S. 44.
      31.  Hermann Wendel: Jugenderinnerungen eines Metzers, Straßburg 1934, S. 9.
      32.  R. S. Bour: Ein Rundgang durch die Metzer Kirchen und Kapellen, in: A. Ruppel (Hrsg.): Lothringen und seine Hauptstadt, Eine Sammlung orientierender Aufsätze, Metz 1913, S. 427.
      33.  Die Aufnahme in das Register aus dem Jahr 1930 wird 1964 nochmals erneuert: Documentation des Monuments historiques, Dossier Temple Neuf/Metz, 12. Dezember 1964, Ministère de la Culture, Paris.
      34.  Le Republicain Lorrain, abgerufen am 29. November 2013.
      35.  Manfred Clauss: Konstantin I., in: Manfred Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser, 55 historische Porträts von Caesar bis Iustinian, München 1997, S. 282–305, hier S. 286.
      36.  Pierre Bronn: Le temple neuf au cœur du protestantisme messin, 2014, S. 38–40.
      37.  Pierre Bronn: Le temple neuf au cœur du protestantisme messin, 2014, S. 40.
      38.  Informationen zur Orgel unter dem Stichwort Metz (französisch)
  1. Dieser Text wurde mithilfe von KI bearbeitet https://chat.openai.com

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